Kind und Hund oder Hund und Kind:
 

Kinderfreundliche Hunde setzen hundefreundliche Kinder voraus!!!

Zweifellos ist es eine schöne Erfahrung für Kinder mit einem Haustier zusammen zu leben und mit einem Tier aufzuwachsen. Es sollte allerdings nur ein Haustier angeschafft werden, wenn auch alle Familienmitglieder einverstanden sind. Ausschließlich die Eltern tragen die Verantwortung für das Tier. Jüngere Kinder können das Tier weder alleine versorgen noch erziehen, noch mit einem Hund spazieren gehen. Ältere Kinder haben schnell andere Interessen oder sind schneller aus dem Haus als man denkt und nehmen das Tier evtl. nicht mit.

Auf keinen Fall ist ein Tier, egal welches es ist ein  Ersatz für Geschwister, Freunde oder mangelnde Zuwendung der Eltern. Tiere sind kein Spielzeug und kein Stofftier!!!


Hunde und Kinder in einem Haushalt müssen kein Problem sein, wenn Sie einige Punkte beachten:

Nicht alle Hunde mögen Kinder, insbesondere ältere Hunde können auch mal schlechte Erfahrungen gemacht haben. Klären Sie vorher ab, ob Ihr neuer älterer Hund Kinder mag. Auch bei Welpen kann es sein, dass diese nicht an Kinder gewöhnt sind. Hier sollte eine langsame und vorsichtige Gewöhnung statt finden. Gut geeignet sind Rassen mit einer hohen Reizschwelle. Weiterhin eignen sich Familienhunde mit einem aufgeschlossenen Wesen und guter Unterordnungsbereitschaft.

Kinder können durchaus in die Pflege, Versorgung  und Erziehung des Hundes mit einbezogen werden (je nach Alter). Sonst lernen sie ja den vernünftigen Umgang mit dem Tier nicht. ABER überlassen Sie ihnen diese nicht gänzlich.

Wenn die Kinder alt genug sind, sollten sie lernen die Kommandos die der Hund kennt, ebenfalls zu benutzen. Das ist wichtig, weil der Hund dann das Kind als Rang höheren akzeptieren kann. Dennoch sollten jüngere Kinder, die für den Hund noch keine Autoritätsperson darstellen den Hund keinesfalls herumkommandieren oder zurechtweisen.

Ein Welpe braucht konsequente Erziehung, ein Junghund ebenso und ein erwachsener Hund erkennt Kinder nicht als ernstzunehmenden “Rudelführer”an.
Ein gutes Beispiel ist die Unterordnung, sprich “Hier, Sitz, Platz und Fuß”.
Ein gut erzogener Hund macht dies alles für eine gewissen Zeit, während er von einem Kind geführt wird. Für den Hund ist dies ein Spiel. Im Ernstfall, d.h. wenn er Gefahr für sich und/oder das Kind sieht, übernimmt er die Führung.


Lassen Sie nie Ihr Kind mit dem Hund alleine spazieren gehen nur weil sie keine Zeit haben. Kinder machen einfach viel zu viele Fehler im Umgang mit Hunden, können gefährliche Situationen nicht einschätzen und können im Ernstfall nicht einschreiten, geschweige denn den Hund fest halten.

Erlauben Sie dem Kind nicht, den Hund zu schlagen, an der Rute oder den Ohren zu zerren, ihn anzuschreien oder sich auf den Hund zu legen.

Unterbinden Sie das Herumtragen des Hundes. Auch ein kleiner Hund hat vier Pfoten und kann alleine laufen.

Erklären Sie Ihrem Kind, dass Hunde Angst bekommen, wenn Kinder laut schreiend und wie wild mit den Armen gestikulierend auf den Hund zu rennen.

Erklären Sie weiterhin dem Kind, dass man vor Hunden nie weg rennen darf, da bei diesem dann der Beuteinstinkt geweckt wird. Zerr-, Verfolgungs- und Rennspiele sind von dem Kind zu unterlassen. Diese wilden Spiele puschen den Hund auf und meistens ist das Kind der Unterlegene, so wie es eigentlich nicht sein sollte. Ein Hund wird dann auch schnell stürmisch im Spiel. Wenn das Kind mit dem Hund spielt sollte immer ein Erwachsener anwesend sein.

Erklären Sie Ihrem Kind, dass es nicht an den Futternapf gehen soll während der Hund frisst, und ihm auch keinen Knochen aus dem Maul nehmen soll.

Kinder sollten mit dem Hund niemals ohne Aufsicht sein. Die meisten Hunde haben viel Geduld mit Kindern, dennoch, wenn er alleine mit dem Kind ist, ist er der
Ranghöhere.

Erklären Sie Ihrem Kind, dass nicht jeder Hund so kinderlieb wie der Ihrige sein muss und darum immer vorher der Besitzer gefragt werden muss, ob es einen fremden Hund streicheln darf.


Ein Kind wird geboren, kein Grund den Hund abzugeben, wenn Sie folgende Dinge beachten:

Der Hund spürt sehr genau, dass sich in seinem Rudel eine Veränderung ankündigt. Zeigen Sie ihm darum, dass sich für ihn nichts ändern wird und grenzen Sie ihn nicht plötzlich aus usw.

Binden Sie den Hund ein und zwar schon zu dem Zeitpunkt wo Mutter und Kind noch im Krankenhaus sind. Bringen Sie jeden Tag eine benutzte Windel, einen  Strampler oder dergleichen, der nach dem Baby riecht, mit nach Hause. Lassen Sie den Hund daran riechen. Streicheln und loben Sie ihn dabei (bringt positive Gefühle). Vermeiden Sie unbedingt, dass der Hund in Windel/Strampler beißt oder damit in sein Körbchen verschwindet. Loben Sie ihn, wenn er daran schnuppert und zeigen Sie ihm dass das er sich toll verhält. Bringen Sie viel Ruhe rein. Seien Sie dabei nicht streng oder körperlich aktiv, in dem Sie ihn vom Strampler weg ziehen oder stoßen. Nehmen Sie nach dem Beschnuppern und evtl. Leckerlie fressen den Strampler ganz ruhig wieder weg.

Wenn das Baby nach Hause kommt, ist das Beriechen des Kindes sehr förderlich für die Hund-Kindbindung. Das klingt jetzt merkwürdig, aber lassen Sie Ihren Hund - an der Leine-  ruhig mal den Po anriechen. Es ist  "Hundeart" und wirkt sich sehr Bindungsfördernd aus. Loben Sie ihn dabei mit ruhiger, lieber Stimme. Selbst wenn der Hund das Kind mal kurz im Gesicht ableckt, keine Sorge ein gesundes Kind wird davon nicht krank. Achten Sie aber vorher auf eine rechtzeitige Entwurmung des Hundes. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Tierarzt beraten.

Wenn Sie das Kind füttern, schicken Sie bitte den Hund nicht weg. Lassen Sie ihn ruhig neben sich sitzen oder liegen und geben Sie ihm später evtl. ein bisschen was vom Babybrei.

Vermeiden Sie unbedingt, dass der Hund negative Erfahrungen macht, die er mit dem Kind verbindet! Wenn er zu wild mit dem Kind ist, es anspringen will oder ihm was weg nehmen will, seien Sie bitte nie laut und panisch oder stoßen den Hund vom Kind weg. Loben Sie ihn statt dessen für sonstiges gutes Verhalten.

Vernachlässigen Sie Ihren Hund nicht plötzlich, weil jetzt das Baby da ist. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund nicht unter dem neuen Familienmitglied leiden muss.

Vermeiden Sie unbedingt, den Hund nur dann zu streicheln und sich mit ihm zu beschäftigen, wenn dass Baby nicht im Raum  oder Haus ist oder es schläft.
Beschäftigen Sie sich auch mit dem Hund, wenn das Baby im Raum ist oder Sie mit ihm beschäftigt sind (z.B. beim Wickeln, Füttern etc. auch den Hund mal streicheln, mit ihm reden usw.).

Baby/Kind und Hund durchaus kein Widerspruch:

Der passende Hund muss es sein. So sind größere Hunde oft souveräner, ausgeglichener und erschrecken sich weniger leicht. Auch das Alter des Hundes und deren Erziehung (wie lebte der Hund beim Erstbesitzer?) sind zu beachten. Das ist das Wichtigste überhaupt!!!

Ein Welpe bedeutet unglaublich viel Zeitaufwand, ein Baby ebenfalls. Die Gefahr dem Welpen dann nicht mehr gerecht zu werden, ist groß. Verlassen Sie sich nicht einzig alleine auf so genannte kinderliebe Rassen.

Nehmen Sie Ihre  Kinder mit zur Hundeschule (Welpenstunde, Junghundestunde), binden Sie sie in die Erziehung des Hundes ein, dass wird dem Kind helfen, das Wesen des Hundes besser zu verstehen und sich beim Hund entsprechend zu verhalten und seinen Rang zu festigen. Kein Hund wird als "Kinderbeißer" geboren,  sondern durch falsches Verhalten von Kindern und Haltern dazu gemacht.

Suchen Sie sich sofort professionelle Hilfe, wenn es zu Vorfällen kommt die Ihnen Sorge machen (knurrt das Kind an oder schnappt sogar nach dem Kind etc.). Viele Probleme können im Anfangsstadium wieder in positive Bahnen gelenkt werden und es finden sich die Ursachen in der Regel in Rangordnungsproblemen zwischen Halter und Hund.

Zum Schluss: Spezielle kinderfreundliche Hunde gibt es nicht. Es ist immer der individuelle Charakter und Erfahrung des Hundes. Auch unterscheiden viele Hunde durchaus zwischen den eigenen Kindern, Besuchs- oder fremden Kindern. Dies muss unbedingt beachtet werden.
 


Zurück